Motivationsspritze am Beginn des finalen Jahres

Für die angehenden Maturantinnen und Maturanten der Praxis-HAK Völkermarkt dreht sich im Fach Deutsch nahezu alles um die Textsorten der schriftlichen Reifeprüfung. Die 5BK startete bei Prof. Martin Erian mit einer Meinungsrede zu einem bemerkenswerten Essay Meike Winnemuths in das fünfte Jahr.

Unter dem Titel „An alle vermeintlichen Opfer da draußen: Die Welt schuldet euch nichts!“ schrieb sie in der Zeitschrift stern über das Massenphänomen „Entitlement“, das die hohen, allerdings unbegründeten Ansprüche vieler Menschen beschreibt – auf Erfolg, Geld, übermäßig viel Freizeit und schönes Wetter.

Diese Analyse lässt sich auf viele Personen unterschiedlichen Alters übertragen – auch auf so manche Jugendliche? Peter Wukounig hat dazu einen Text vorgelegt, der für ihn und seine Klasse als Motivation dienen dürfte:


Liebe Mitschülerinnen und Mitschüler,

mir steht es zu. Ich habe es mir verdient. Es habe gefälligst dieses und jenes zu geschehen. Wie oft man diese Sätze in der Öffentlichkeit hört, hat mich erschreckt. Natürlich darf man, wie so oft, nicht pauschalisieren und auch ich habe mich schon unfair behandelt gefühlt, sei es bei der Notenvergabe oder bei meinem Ferialjob. Und doch begleiten mich diese Sätze tagtäglich.

Als wir dann kürzlich von Herrn Prof. Erian im Deutschunterricht einen Text von Meike Winnemuth mit der Überschrift “An alle vermeintlichen Opfer da draußen: Die Welt schuldet euch nichts!”, der im deutschen Magazin „Stern“ am 29. Jänner 2018 erschienen ist, ausgeteilt bekamen, fühlte ich mich bestätigt. Die Menschen werden immer egoistischer, es scheint, sie parken teilweise sogar auf zwei Parkflächen, weil sie damit jemandem womöglich eines auswischen könnten. Diese Menschen denken, sie wären ganz alleine auf dem Planeten und könnten deshalb in Zeiten, in denen der Amazonas brennt und das Eis in der Antarktis schmilzt, weiterhin Plastikverpackungen auf den Boden werfen statt in den Mülleimer und sie fühlen sich sowieso notorisch benachteiligt, wenn z.B. der Kollege eine Beförderung zugesprochen bekommt, obwohl er letztes Jahr zwei Wochen gefehlt hat – allerdings weil seine Frau ein kleines Mädchen auf die Welt gebracht hat. Veränderungen sind für sie eine Zumutung und zu kurz kommen sie sowieso immer. Die Menschheit ist gemein zu mir, also mach ich mir die Welt frei nach Pippi Langstrumpf so, wie sie mir gefällt, so der Tenor von vielen.

Es wäre scheinheilig von mir zu behaupten, ich würde immer alles richtig machen und mich an alle Regeln halten. Natürlich habe ich schon Schule geschwänzt, weil ich einfach keine Lust hatte im Klassenzimmer zu sitzen und in BB2 eine ABC-Liste auszufüllen oder in Religion zum x-ten Mal dasselbe Thema zu besprechen, was ich zuvor schon in der Volkschule und später auch in der Hauptschule gehört habe. Dafür können allerdings oft die Lehrpersonen recht wenig, manche Fächer geben einfach nicht viel mehr her und dass man Fächer wie BB2 oder BPQM im Stundenplan stehen hat, wird vom Ministerium vorgegeben. Wichtiger ist aber mein Tun. Ich bin selbst für mein Handeln und meine Taten verantwortlich. Wenn ich nicht nach den Regeln spiele muss ich auch mit Konsequenzen rechnen.

Wir stehen nun allerdings kurz vor dem Ende einer Reise. Kurz vor der Matura. Doch davor müssen wir uns aller letztes Schuljahr noch zu Ende bringen. Jedes Zeugnis, jeder Ferialjob und jede Schularbeit haben uns einen Schritt näher an unser Ziel gebracht. Das Ziel: die Matura.

Wir haben es schon weit gebracht und doch noch nicht ganz geschafft. Jetzt zu glauben, uns stehe etwas zu oder die Lehrer sollten uns in den „unnötigen“ Fächern, in denen wir ja eh nicht maturieren wollen, die Note schenken, wäre falsch. Uns steht gar nichts zu. Nur weil wir vier Jahre schon geschafft haben und nun in der Maturaklasse sitzen, heißt das noch lange nichts. Wir werden viele Abende und Nächte vor dem Büchern sitzen und uns ab und an sicherlich fragen: „Wieso machen wir das alles eigentlich?“ Das ist nicht schlimm und völlig normal.

Die meisten hatten schon solche Momente. Doch jeder von uns hat seine ganz persönlichen Ziele und Träume, bitte verliert sie nie aus den Augen. Ihr selbst seid eures Glückes Schmied. Wir sind im Abschlussjahr und die Uhr tickt – manchmal nicht unbedingt für uns. Also wacht auf und fangt an zu verstehen. Wenn wir einmal noch alles investieren, dann können wir das

Schuljahr schaffen und sicherlich auch die Matura – wir müssen nur hart arbeiten. Vergesst nicht die Zeit rinnt, denn wir hatten erst vor kurzem unseren allerersten Schultag, und jetzt stehen wir hoffentlich bald vor unserem allerletzten. Also strengen wir uns einmal noch an und dann haben wir es geschafft.

Was ihr jetzt tun sollt? Fangt an. Fangt an zu lernen, zu arbeiten, denn eure Träume können erst wahr werden, wenn ihr dafür auch etwas tut. Werdet nicht so wie manche Menschen, die immer die Schuld an ihrem Versagen bei anderen suchen. Ihr könnt alles erreichen, alles werden, was ihr wollt, doch dafür müsst ihr etwas tun. Nur zu glauben alles käme von alleine und jeder schulde dir etwas, wäre bedenklich. Denn die Welt schuldet euch nichts, aber ihr schuldet der Welt etwas.


Dieser Text sollte für die kommenden Herausforderungen des fordernden Abschlussjahres Mut machen – allen angehenden Maturantinnen und Maturanten!

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