Kategorie: Noch mehr Kultur

Geschichte zum Leben erwecken – und weitererzählen

Oral-History-Projekt der 4AK

Das Augenmerk liegt auf zeitgemäßer Bildung: Auch in Geschichte – korrekterweise heißt das Fach Politische Bildung und Geschichte – orientieren sich die Jugendlichen an der Praxis-HAK Völkermarkt in der dritten und vierten Klasse vor allem an Entwicklungen, deren Folgen in die Gegenwart hineinreichen, an veränderten Gesellschaftsformen, wirtschaftlichen Systemen, bahnbrechenden Entdeckungen und Konflikten, die unser Zusammenleben geprägt haben. Doch genauso wichtig ist es, Kompetenzen zu entwickeln, um mit historischen Inhalten umgehen zu können, ob mit Quellentexten, Karten oder Bildern und Karikaturen.

Für die Schüler/innen der 4AK, die im Schulversuch mit erweiterter Praxis bereits Mitte Juni in die Arbeit starten, hieß der letzte Schritt: Lebenswelten nach 1945. Diese sollten bei Prof. Martin Erian ergründet werden – jedoch nicht nur durch das Nachlesen, sondern aktiv. Nach einer Einführung in die Oral-History-Methode wählten die Jugendlichen geeignete Gesprächspartner und formulierten Leitfragen, um im Zwiegespräch Lebenswelten nach 1945 zu erforschen.

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Wie gelingt das Erinnern heute?

75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs

Derzeit gedenken die Menschen in ganz Europa dem Ende des Zweiten Weltkriegs mit der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945. Begangen wird dieser Tag allerdings höchst unterschiedlich – in Trauer um verlorene Angehörige, im Zeichen der Erleichterung und der Herbeiführung von Frieden oder, wie etwa in Russland, als Anlass zur Machtdemonstration, um sich als Sieger eines Krieges mit rund fünfzig Millionen Todesopfern, mehrheitlich Zivilistinnen und Zivilisten, zu präsentieren.

Die Schüler/innen der 4AK setzten sich im Fach Politische Bildung und Geschichte bei Prof. Martin Erian anlässlich des Jahrestages mit der Erinnerungskultur auseinander. Einige Jugendliche beschäftigte die Frage, wie angemessenes Gedenken wirklich aussehen kann. Lukas Egerer-Köhler zog mit Blick auf die unterschiedlichen Zugänge in der Welt keine positive Bilanz: „Man merkt sehr, dass Denkweisen der heutigen Politiker manchmal noch denen der damaligen ähneln und sich dies natürlich darauf auswirkt, wie gehandelt wird. Was man an diesem Tag viel eher in den Vordergrund stellen sollte, sind nicht die Absichten der heutigen Politiker, die damaligen Meinungsverschiedenheiten weiterzuführen, sondern einzusehen, dass der Krieg ein sehr großer Fehler war. Es sind so viele unschuldige Menschen gestorben, die vielleicht noch am Leben sein könnten. Länder, Familien, Wohnräume wurden gnadenlos zerstört.“

Andere beschäftigten sich mit der Frage, wie junge Menschen mit dem Weltkrieg und dem Holocaust/der Shoah umgehen. Dabei arbeiteten sie eine Diskussion auf, die schon lange geführt wird: jene um die „Selfies des Grauens“ (nachzulesen bereits aus dem Jahr 2014 bei derstandard.at).

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Praxis-HAK meets Vorlesetag

Lesen verbindet in Tagen des Getrenntseins

Auf Initiative von Schulbibliothekarin Prof. Maria Mrčela beteiligte sich die Praxis-HAK Völkermarkt in diesen besonderen Tagen spontan am Österreichischen Vorlesetag. Dieser rückt Jahr für Jahr die gesellschaftliche Bedeutung des Vorlesens unter dem Motto „Gemeinsam sind wir weniger allein“ in den Vordergrund:

Gut Lesen zu können, ermöglicht den Kindern einen besseren Zugang zur Bildung und damit zu einem besseren Leben. Und Vorlesen ist der erste Schritt dazu. Kinder lernen durch Nachahmung. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Kinder, denen regelmäßig 15 Minuten pro Tag vorgelesen wird, leidenschaftliche Leserinnen und Leser werden. Und damit mündige Bürger, die Fake-News von Information unterscheiden können. […]

Vorlesen bedeutet auch, Zeit miteinander zu verbringen, Zuneigung zu zeigen und Aufmerksamkeit zu vermitteln. […]

Warum Vorlesen?
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Erinnerung und Ausblick: Zum 10. Oktober

Rede zum Gedenken am Völkermarkter Hauptplatz

Wie schon im Vorjahr wurde auch in diesem Jahr einem Schüler der Praxis-HAK Völkermarkt die Ehre zuteil, bei den Feierlichkeiten am Vorabend des 10. Oktobers am Völkermarkter Hauptplatz eine Rede zu halten.

Peter Wukounig, angehender Maturant aus der 5BK, sprach über die konfliktreichen Erinnerungen an die Entwicklung Kärntens im 20. Jahrhundert, blickte aber auch auf aktuelle Debatten rund um das Klima. Sein Credo: Bleiben die Fridays for Future ohne Erfolg, sind Natur und Kultur gleichermaßen bedroht.

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Von der Industrialisierung zur Digitalisierung – und zwar lyrisch

Menschliche Rebellion gegen das Neue

„Mensch raus, Maschine rein,/muss das wirklich alles sein?“ Die Schüler/innen der 3AK setzten sich in Politische Bildung und Geschichte in den letzten Wochen intensiv mit Aspekten der Industrialisierung auseinander. Am Anfang stand dabei ein Brainstorming, inwieweit sich die technologische Revolution des 18. und 19. Jahrhunderts mit den gegenwärtigen Phänomenen der Digitalisierung vergleichen lässt. Deutlich wurde: Beide Phasen des Umbruchs werden nicht nur mit Innovation, sondern auch mit Angst vor dem Jobverlust und der Furcht vor dem Neuen assoziiert.

Inspiriert von den Maschinenstürmern des frühen 19. Jahrhunderts (siehe Titelbild) und konkret vom Weberaufstand des Jahres 1844 verfasste einst Heinrich Heine das berühmte Gedicht Die schlesischen Weber; darin heißt es:

Ein Fluch dem König, dem König der Reichen,
Den unser Elend nicht konnte erweichen,
Der den letzten Groschen von uns erpreßt,
Und uns wie Hunde erschießen läßt –
Wir weben, wir weben!

Angeleitet von Prof. Martin Erian gingen nun die Jugendlichen daran, sich mit den technologischen Innovationen auseinandersetzen, die heute den Alltag prägen und häufig auch schmerzliche Veränderungen bedingen: Onlinebanking, Kassenautomaten, GPS-Überwachung im Beruf oder das allgegenwärtige Smartphone, das die Grenzen zwischen Arbeitszeit und Freizeit verschwimmen lässt.

Entstanden sind dabei zahlreiche Gedichte, die – angelehnt an den Eurovision Song Contest – beim Industrialisierungs-Lyrik-Contest der 3AK zur Wahl standen.

Durchgesetzt haben sich nach beinahe notariell beglaubigter Auszählung mit 65, 59 und 50 Punkten folgende drei Beiträge. Sie zeigen deutlich: Noch stärker als die wirtschaftlichen Folgen beschäftigen die alltäglichen Konsequenzen – vom Konsum von Fertiggerichten bis hin zum Abdriften in virtuelle Welten.

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