Innerer Monolog zum Roman „Wunschleben“

Innerer Monolog zum Roman „Wunschleben“

Im Rahmen eines jahrgangsübergreifenden Projektmonats widmen sich die Schüler_innen multiperspektivisch dem Thema The Love Parade. Sexualität im Wandel der Zeit. Die Jugendlichen der 2AK setzen sich aus diesem Grund mit dem Roman Wunschleben von Vera Nentwich auseinander – in Form von gemeinsamer Lektüre, von Diskussionen sowie auch mit kreativen Schreibaufträgen.

lovelybooks.de verrät Folgendes über den Roman:

Seit Anja, eine Transgender-Frau geboren im falschen Körper, endlich im richtigen angekommen ist, lebt sie sehr zurückgezogen. Wer kein Risiko eingeht, kann auch nicht verletzt werden. Dann tritt Bettina in ihr monotones Dasein. Kaffeeklatsch mit einer Freundin, Männer anflirten in der Disko – für Bettina kein Problem. Es wäre doch gelacht, wenn Anja das nicht lernen könnte! Trotz der Geschwindigkeit, die ihr Leben nun aufnimmt, nähert sich Anja mehr und mehr der Antwort auf fundamentale Fragen: Welches Bild habe ich von mir und wo muss ich der Realität die Chance geben, es zu korrigieren? Was macht mich aus? Was macht mich zur Frau?

Am heutigen 6. April gastierte die deutsche Autorin per Videozuschaltung in der 2AK im Unterricht von Prof. Martin Erian und stand der Klasse Rede und Antwort – zur Schriftstellerei, aber auch zu den Themen des Romans.

Mehr dazu lesen Sie hier.

Anlässlich des Gesprächs mit der Autorin trug Julian Ograjensek seinen inneren Monolog vor, in dem er sich in die Rolle der Protagonistin Anja Köhler versetzte. Der Text greift eine Situation im Supermarkt auf, als Anja, keineswegs gestylt und weiter mit ihrer Identität hadernd, als „junge Dame“ angesprochen wird und überwältigt davon ist. Auch Autorin Nentwich zeigte sich davon ergriffen.

Der Text von Julian Ograjensek:

Wie neu geboren

Junge Frau? Das gibt’s doch nicht! Wieso denn heute, wenn ich gar nicht wie eine Frau aussehe? War es denn nur ein Irrtum der Dame, einfach so gesagt, ohne nachzudenken? Oder hat sie wirklich mich als Frau bezeichnet? Seit so langem wünsche ich mir bereits eine Frau zu sein. Und nun, ohne Make-up und dem anderen Zeugs, werde ich also als eine erkannt?

Da stimmt etwas nicht. Ich weiß noch, als ich weinend im Zimmer saß – als wäre es gestern gewesen – und mir von ganzem Herzen wünschte, die Welt als Mädchen zu sehen. Nun ist es mir tatsächlich gelungen, als Frau erkannt zu werden – ohne Make-up! Das muss doch der beste Tag meines Lebens sein! Es fühlt immer noch surreal an. Ich kann es nicht fassen!

Ob andere mich wohl auch als Frau sehen? Ich merke ja, dass ich mich immer stärker als Frau fühle, vielleicht hat das ja einen Einfluss. Ich wusste schon immer, dass Willensstärke eines der wichtigsten Dinge auf diesem Planeten ist, aber dass sie das Wahrnehmungsbild beeinflusst, wäre mir neu.

Je länger ich an diesen Moment denke, desto besser fühle ich mich. „Junge Frau“, das waren die Worte, mit denen ich angesprochen wurde. Wenn ich das doch nur jemandem erzählen könnte.