Alternative Rockstardasein? Gefühle am Tag vor der sRDP

Der Wecker läutet um 10:00 Uhr morgens. Der Ton meines Lieblingssongs schallt durch den Raum, danach durch meinen Kopf. „My life is a Party – my home is the club! “. Unaufgefordert durch meine innere Stimme stehe ich auf. Halbwach steuere ich, wie die letzten Monate auch, auf den Kühlschrank zu. Ich greife zur Dose, zu meinem Dosenbier. Das Zischen der Schwechater Bierdose beruhigt mich jetzt am besten. Nun merke ich: Es ist der Tag vor dem großen Tag. Das Ziel am Ende des fünfjährigen Weges. Ich schaue aus dem Fenster, da sehe ich die Sonne. Das gibt mir Mut. Ist da doch Licht am Ende des Tunnels? Die Frage, die ich mir in letzter Zeit am häufigsten stellte.

Ich rufe meinen Freund Atze an. Bevor ich noch die Nummer wähle, frage ich mich, ob er schon munter ist. Atze ist Rockstar. Er ist das beste Beispiel, dass man es auch ohne Matura schaffen kann. Was ist die Matura? Selbstzweifel kommen in mir noch.

Dann klingelt es wieder, mittlerweile das vierte Mal. Ich denke, Atze schläft noch. Er hat gestern bestimmt wieder ausgiebig und anständig gefeiert. Doch dann hör ich den ermüdeten Ton seiner rauen, jedoch lebensfrohen Rockerstimmer. Er erzählt mir von seiner letzten Nacht. Er ist froh und das ohne Matura – das gibt mir Kraft. Der Druck für die morgige Prüfung sinkt.

Kurz darauf kommt es wieder. Das Gefühl, etwas vergessen zu haben. Der Drang, alle Bücher noch einmal auf Punkt und Beistrich zu studieren, steigt. Doch dann vertraue ich auf meine fünfjährige Achtsamkeit im Unterricht. Ich habe doch immer mitgearbeitet und vom Durchfallen war ich auch noch nie betroffen.

Die Stunden vergehen und plötzlich sind es nur mehr Stunden, die mit Schlaf gefüllt werden, bis zur morgigen Prüfung. Nach dem täglichen Abendritual – Duschen, Zähneputzen, zu Bett gehen – bete ich noch einmal das Glaubensbekenntnis und vertraue darauf, dass alles gut geht.

Ich schlafe ruhig.

Am nächsten Morgen wache ich auf und ich weiß: Nun ist es so weit.

Von Johannes Hobel, 5AK